German Economic Team Georgien

Projektziel

Das German Economic Team Georgien berät die georgische Regierung zu wirtschaftspolitischen Reformen. Dadurch werden der Transformationsprozess hin zu einer sozialen Marktwirtschaft und die wirtschaftliche Entwicklung allgemein unterstützt.

GET Georgien erarbeitet auf Anfragen von georgischen Regierungsinstitutionen gemeinsam mit Partnerinstituten vor Ort unabhängige Analysen mit konkreten Handlungsempfehlungen. Zudem informiert GET Georgien die Öffentlichkeit, Unternehmen, relevante Institutionen und Organisationen über wirtschaftspolitische Themen und aktuelle Entwicklungen in Georgien.

Hintergrund

Vor dem Hintergrund des Assoziierungsabkommens zwischen der Europäischen Union und Georgien signalisierte die georgische Regierung Interesse an Beratung zu Fragen der Annäherung an die EU. Aus dem Assoziierungsvertrag ergeben sich vielfältige Chancen und Herausforderungen, die nun durch GET Georgien im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie begleitet werden. Insbesondere gilt es, die georgische Wirtschaft in Bezug auf ihre Exportkraft zu stärken, um zum Wirtschaftswachstum, neuen Arbeitsplätzen und zur Reduzierung des Leistungsbilanzdefizites beizutragen . Dafür sind neue Investitionen in Produktion und Dienstleistungen unbedingt erforderlich. Die durch das Assoziierungsabkommen entstehenden Chancen durch Marktzugang und Freihandel müssen genutzt werden, was auch eine konsistente Fortsetzung der Reformpolitik der georgischen Regierung erfordert.

Die Beratung durch GET Georgien konzentriert sich auf strategische Fragen der Wirtschaftspolitik und der erfolgreichen wirtschaftlichen Annäherung an die EU und unterscheidet sich damit deutlich von anderer, auf die technische Umsetzung einzelner Vorhaben bezogener, Beratung durch weitere internationale Akteure in Georgien.

 


Beispielhafte Arbeitsprobe

Arbeitsauftrag

Das georgische Ministerium für Wirtschaft und nachhaltige Entwicklung fragte bei uns eine Beratung zur Stärkung der georgischen Exporte an. Insbesondere stellte sich die Frage, in welchen Sektoren für Georgien Entwicklungspotential besteht und Investoren erfolgreich angeworben werden können.

Hintergrund

Die Exportstruktur Georgiens ist seit langem nahezu unverändert und wenig diversifiziert. Die zehn wichtigsten Exportgütern machen 66% der Gesamtexporte aus. Einige Metallprodukte, landwirtschaftliche Erzeugnisse wie Wein, Mineralwasser und Nüsse, sowie Dienstleistungen in den Bereichen Tourismus und Transport (Transitverkehr) stellen derzeit das wirtschaftliche Profil Georgiens dar. Schocks auf einzelnen Märkten können zur Zeit schnell merkbare negative makroökonomische Auswirkungen haben. Zudem ist Georgien auf die Produktion von Gütern mit relativ geringer Wertschöpfungsintensität spezialisiert. Dies wirkt sich negativ auf das Einkommensniveau und die langfristige Entwicklung des Landes aus.

Eine Diversifizierung der Exportgüter würde für Georgien deutliche Vorteile bieten. Zum einen weist die wenig diversifizierte Struktur, selbst bei einem kleinen Land wie Georgien, auf bislang unentdeckte und ungenutzte Möglichkeiten in anderen Sektoren hin, durch die schnell und nachhaltig dringend benötigtes Wachstum und eine Steigerung der Wertschöpfungsintensität erzeugt werden könnten. Zum anderen ließe sich so die Abhängigkeit von einigen wenigen Gütern reduzieren.

Unser Ansatz

Die ökonomische Struktur eines Landes lässt sich nur zu einem kleinen Teil durch Politik beeinflussen. Deutlich wichtiger sind die ökonomischen Charakteristiken eines Landes: Wie knapp und produktiv sind Kapital und Arbeitskräfte, in welchen Bereichen besteht bereits – eventuell transferierbare – Erfahrung, wo entstehen durch bereits bestehende Strukturen Skaleneffekte?

Versuche in verschiedenen Ländern, durch gezielte Förderung einzelner Wirtschaftssektoren die wirtschaftliche Struktur von Ländern, insbesondere zu kapital- und technologieintensiveren Sektoren zu verändern, sind meist fehlgeschlagen, da die Politik die ökonomischen Grundgegebenheiten ignoriert hat. Dennoch ist in der Praxis auch der Umkehrschluss, dass die Politik keinerlei Blick auf die sektorale Entwicklung haben sollte, nicht richtig. Ein Land muss potentielle Investoren gezielt ansprechen und darstellen, welche Möglichkeiten bestehen und auch von der Politik gesehen werden. Viele notwendige Entscheidungen, z.B. für Infrastrukturinvestitionen haben unterschiedliche Auswirkungen auf einzelne Sektoren. Hierfür ist zunächst eine objektive Analyse erforderlich, die Potentiale auch jenseits der bekannten Stärken des Landes aufdeckt.

GET Georgien hat diese mittels eines innovativen empirischen Modells erarbeitet. Ein Datensatz über die Exportspezialisierungen (Revealed Comparative Advantage, RCA) aller Länder ermöglichte, Entwicklungsmuster aufzuzeigen. So ging einer Spezialisierung auf eher arbeitsintensive Vorprodukte im Automobilsektor oft eine Spezialisierung im Textilbereich voraus, da diese ebenfalls günstige und geschickte Arbeitskräfte erfordert. Durch diese Entwicklungsmuster konnte GET Georgien aufzeigen, wie sich die Spezialisierung Georgiens innerhalb der nächsten 10 Jahre entwickeln könnte. Vier Bereiche zeigten ein besonders großes Potential, auch hinsichtlich der Wertschöpfungsintensität der Produkte und als erste Stufe hin zu stärker technologieintensiveren Produkten:

  • Energieintensive Güter wie Aluminium, Zink, Düngemittel
  • Leichte Produkte von relativ geringer Komplexität im Maschinenbau (als erste Stufe in diesem Sektor)
  • Unternehmensbezogene Dienstleistungen
  • Verbreiterung der Produktpalette bei Agrarerzeugnissen und Lebensmitteln

Eine abstrakte Analyse reicht jedoch nicht aus, um Politikempfehlungen zu generieren. Daher wurden durch GET Georgien für die vier identifizierten Bereiche im Anschluss konkrete Analysen der Sektorpotentiale durchgeführt, die auf die spezifischen Erfordernisse dieser Sektoren und deren Umsetzbarkeit in Georgien einging. Diese Analysen bestätigten das empirisch ermittelte Potential, zeigten die positiven und negativen Wettbewerbsfaktoren Georgiens in diesen Bereichen auf und gaben Politikempfehlungen zu deren Stärkung.

Georgia’s economic specialisation: Present and future

Das Wirtschaftsministerium Georgiens nutzt die Ergebnisse unserer Analysen auf zwei Weisen: Erstens wird die Studie intensiv genutzt, um potentielle Investoren über diese bislang unerkannten Möglichkeiten zu informieren und somit die Investitionsattraktion Georgiens zu stärken. Die Urheberschaft durch Berlin Economics (GET Georgien), und damit die Unabhängigkeit der Analyse, trägt dabei zur positiven Reaktion auf die Ergebnisse bei. Zweitens werden bei politischen Entscheidungen, z.B. über Infrastrukturinvestitionen oder Reformen von Regulierung, unsere Ergebnisse in die Entscheidungsfindung einbezogen.

GET Georgien war direkt bei der Nutzung dieser Studien für die Investitionsattraktion beteiligt. In Kooperation mit der Botschaft von Georgien und dem Osteuropaverein der Deutschen Wirtschaft organisierte GET Georgien eine Informationsveranstaltung für deutsche Investoren und Unternehmer, die im Juni 2015 in der georgischen Botschaft in Berlin stattfand.

Partner

 
 

 

 

 

 

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