Wirtschaftliches Potential und politische Realität – Die Eurasische Wirtschaftsunion

Am 29.05. fand in der Residenz der Deutschen Botschaft in Moskau eine Podiumsdiskussion zur Zusammenarbeit zwischen der Eurasischen Wirtschaftsunion und der Europäischen Union statt.

Dr. Ricardo Giucci stellte vor Beginn des Panels die Ergebnisse einer Analyse von Berlin Economics vor, die die Eurasische Wirtschaftsunion aus einer handelspolitischen Perspektive betrachtet.

Zunächst stellte er die Hauptmerkmale der EAWU vor: Die wirtschaftliche Dominanz Russlands innerhalb der Union, hoher Protektionismus nach außen, und der entwicklungsfähige unionsinterne Markt.

Giucci ergänzte, dass manche Mitgliedsstaaten bis jetzt noch nicht einmal handelspolitisch von der EAWU profitierten. Für die Staaten Kasachstan, Armenien und Kirgisistan ließe sich netto sogar eine negative Auswirkung der Mitgliedschaft feststellen, die auf den hohen Protektionismus und den verbesserungsfähigen Binnenmarkt zurückzuführen sei.

Für die EU ist die EAWU dennoch ein interessanter und wichtiger Handelspartner. Um Handel voranzutreiben, sollte sich die EU aus pragmatischen Gründen aber auf Handelserleichterungen, nicht Handelsliberalisierung konzentrieren, denn nicht alle Mitgliedsstaaten der EAWU seien per se an Freihandel mit der EU interessiert. Handelserleichterungen, also einheitliche Standards, Zertifizierungen und Regulierungen, dürften auf größeres Interesse stoßen.

In der Bilanz, so Giucci, macht regionale Integration wie in der EAWU immer Sinn. Aber um wirtschaftliche Potentiale realisieren zu können, müsse die EAWU ihren Protektionismus innerhalb und nach außen abbauen, da sonst – wie bisher – Vorteile kaum spürbar bleiben.

Nach der Präsentation diskutierten Vertretende der Eurasischen Wirtschaftskommission, des russischen Außenministeriums, des Auswärtigen Amts und des diplomatischen Korps der EU und der Republik Kasachstan im Panel. Unter den 80 geladenen Gästen waren Vertretende des öffentlichen Sektors, internationaler Organisationen und des diplomatischen Korps.

Zur Präsentation: „The Eurasian Economic Union. Analysis from a trade policy perspective“